Anlass

Arbeitsgruppe 1

Arbeitsgruppe 2

Plenum

 

 

 

2. Expertengespräch

Region München 2030 -
Workshop für Entscheidungsträger

am Dienstag, 19. November 2002
14:00 bis 17:00 Uhr
Rathaus München, Kleiner Rathaussaal

Protokoll

als gedruckte Version können Sie sie per eMail bestellen

Anlass des Workshops

Mit dem "Workshop für Entscheidungsträger" werden die Gespräche über die Zukunft der Region München fortgesetzt, die im Anschluss an den Workshop "Region München 2030" im April 2002 vereinbart wurden . Das Projekt "Zukunft München 2030", mit dem sich derzeit die Landeshauptstadt München gemeinsam mit drei Forschungseinrichtungen am Bundeswettbewerb "Stadt 2030" des Bundesforschungsministeriums beteiligt, bietet Gelegenheit zum Dialog und Gedankenaustausch der wichtigen regionalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger über die Zukunft der Region München jenseits von Tagesaktualitäten.

Der Teilnehmerkreis rekrutiert sich aus Damen und Herren des Planungsausschusses und des Beirats des Regionalen Planungsverbands, an deren Mitglieder die Einladung seitens des Regionalen Planungsverbands München (RPV) erging, sowie - als Gäste - Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts "Zukunft München 2030" aus den beteiligten Forschungsinstituten, den Referaten der LH München sowie dem PV München.

Der Geschäftsführer des RPV, Herr Breu, begrüßt die rd. 40 Anwesenden und erläutert Anlass und Ziel der Veranstaltung.

Der Einladung zur Veranstaltung lag ein Fragebogen "Themenumfrage zur Entwicklung der Region München" mit insgesamt acht Fragen bei, zu deren Beantwortung die Adressaten gebeten wurden, ihre persönliche Einschätzung zu den Risiken und Chancen der regionalen Entwicklung und zu den wichtigen regionalen Zukunftsaufgaben abzugeben. Die Ergebnisse dieser Kurzbefragung - 19 beantwortete Fragebögen gingen ein - werden referiert (Dr. Schott; PlanRef, s. Charts in der Anlage) und dienen als Input für die Diskussion in den Arbeitsgruppen.

Im Interesse einer intensiven Diskussion teilt sich das Plenum in zwei räumlich separierte Arbeitsgruppen auf, geleitet von Herrn Breu (RPV) und Herrn Reiß-Schmidt (PlanRef LHM). Zur Strukturierung der Debatten in den Arbeitsgruppen liegt den Teilnehmern ein Diskussi-onsleitfaden vor; es sollen die regionalen Handlungsfelder identifiziert, Handlungsmöglichkeiten ausgelotet sowie Antworten auf die Fragen gefunden werden:

-

·Wo liegt der größte Handlungsbedarf?

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Wo liegen die größten Defizite in den Handlungsmöglichkeiten?

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Was können wir in der Region München tun?

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Braucht die Region München ein Fitnessprogramm für die Zukunft?

Die Ergebnisse der Debatten in beiden Arbeitsgruppen werden im Plenum präsentiert:


Arbeitsgruppe 1

Berichterstatterin: Stadtbaurätin Thalgott, LH München

Einigkeit herrscht darüber, dass die überregionale Bedeutung der Region München ganz wesentlich vom "guten Markennamen" der Stadt München bestimmt wird und insofern Stadt und Umland eine untrennbare Einheit darstellen. Innerregional wird die Dominanz Münchens beklagt (etwa in den regionalen Entscheidungsgremien), was die Abwehrhaltung der Umlandgemeinden gegenüber München erklärt und, als psychologische Barriere, die Zusammenarbeit von regionaler Kernstadt und Umland oftmals behindert. Andererseits wird betont, dass die innerregionalen Konfliktlinien häufig anders verlaufen als zwischen der LHM und den Umlandgemeinden. Die Kooperation in der Region wird als verbesserungswürdig ange-sehen, die mangelnde Bindungswirkung der Regionalplanung wird beklagt. Die Erfordernisse der Regionsentwicklung sollten Priorität vor lokalen Standortentscheidungen erlangen. Insgesamt wird die Verbesserung der innerregionalen Zusammenarbeit als notwendig erachtet, wobei über Gegenstand und Ziel der Zusammenarbeit Klärung herbeigeführt werden muss.

Ein wichtiges gemeinsames Handlungsfeld stellt das Thema Verkehr dar. Hier gibt es naturgemäß eine Vielzahl unterschiedlicher Interessenlagen, aber auch Kooperationsmängel, die es bislang verhindert haben, dass man zu Lösungen gekommen ist (Autobahn-Ringschluss vs. Freiflächensicherung, Entlastung der S-Bahn-Stammstrecke durch zweiten Tunnel vs. Tangentiallösungen beim ÖV und IV, Tarifgestaltung des ÖPNV etc.). Verkehrliche Lösungen haben auch die veränderten Standortbedingungen und -präferenzen für Wohnen, Ausbildung, Arbeiten und Gewerbe zu berücksichtigen. Insofern ist eine integrierte Siedlungs- und Verkehrsplanung gefordert, die die Bedingungen für eine dezentrale Konzentration in-nerhalb der Region zum Thema haben muss.

Der Flächenverbrauch ist ein wichtiger Gegenstand für regionalen Handlungsbedarf. Übereinstimmung besteht darin, dass die Bedeutung einer koordinierten Siedlungsflächenbedarfssicherung einerseits und der Freiflächensicherung andererseits als Handlungsfeld in Zukunft noch wichtiger sein wird, als dies heute schon der Fall ist. Dabei sind Siedlungsformen zu entwickeln, die sparsam mit den Flächen umgehen. Dies steht ggf. auch den Flächenvorstellungen von High-Tech-Unternehmen entgegen, die städtische Standorte bevorzugen, diese aber wie einen "Campus in der Stadt" gestalten wollen, was jedoch innerstädtisch nicht sinnvoll ist.

Chancen für die zukünftige Regionalentwicklung werden in der Schwerpunktfunktion der Landeshauptstadt München als Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturstadt gesehen. Generelle Einigkeit besteht darin, dass eine derartige funktionale Arbeitsteilung einen wie auch immer gestalteten innerregionalen (finanziellen) Ausgleich erforderlich macht.

Insgesamt werden bei Sicherung der sog. weichen Standortfaktoren große Chancen der Region auch in der Zukunft gesehen. Das umfasst zum einen die Erhaltung und Verbesserung der Attraktivität der Stadt München, aber auch der übrigen Städte und Gemeinden in der Region, zum anderen Sicherung der Frei- und Erholungsflächen im engeren und weiteren regionalen Umland.


Arbeitsgruppe 2

Berichterstatter: Bürgermeister Dworzak, Gemeinde Haar

In der Arbeitsgruppe 2 werden die langfristigen Chancen der Regionalentwicklung im wesentlichen in der Verbesserung der Koordinierung gemeinsamer Interessen und Nutzungen gesehen. Dazu gehört ein in ihrer Außenwirkung gemeinsames Auftreten der Gebietskörperschaften und übrigen Akteure der Region. Als Grundlage für die Entwicklung eines gemeinsamen regionalen Verständnisses (regionale Identität) soll der Informationsstand und der Informationsfluss zwischen den Akteuren verbessert werden; dies betrifft insbesondere auch Informationen über die verschiedenen Kooperationsmöglichkeiten selber.

Ein wichtiges Kooperationsfeld wird in einem gemeinsamen Flächenmanagement gesehen statt eines ständigen Mehrs an kommunalen Gewerbeflächenausweisungen. Ferner wird die Einrichtung eines Flächenausgleichsfonds (regionaler Ausgleichsflächenpool) im Interesse einer qualitativen überkommunalen Flächenentwicklung angeregt.

Eine weitere Chance langfristiger Regionalentwicklung wird in der gemeinsamen Nutzung und Vermarktung des "Wissenspotentials" gesehen, das in der Region vorhanden ist. Konkret wird vorgeschlagen, die Möglichkeiten der Telematik für die innerregionale Entwicklung zu nutzen, insbesondere im Hinblick auf die Substitutionsfähigkeiten im Verkehrsbereich, etwa in Form eines Verkehrsleitsystems, wobei einschränkend darauf hingewiesen wird, dass dadurch auch Schleichverkehr in Wohngebieten induziert werden kann, der mit anderen Verkehrsleitmaßnahmen gerade verhindert werden soll.

Ein weiteres Handlungsfeld ist eine vorausschauende integrierte Verkehrsplanung. Wichtig ist, dass der Informationsaus-tausch im Vorfeld von Entscheidungen intensiviert wird.

In der Geothermie wird eine regional bislang noch kaum genutzte Ressource gesehen.

Risiken der langfristigen Entwicklung der Region werden vor allem in der mangelnden Stringenz öffentlicher Planung gesehen. So wird der zu geringe Stellenwert des Regionalplans als Gestaltungsinstrument bemängelt, aber auch das fehlende planerische Know-how bei den Gemeinden. Im Zusammenhang damit wird betont, dass es vor allem bei der Ansiedlung von Großprojekten entweder an Gestaltungs- und Entscheidungsregeln mangelt oder diese ausgehebelt werden.

Als ein Langfrist-Risiko wird auch das Fehlen einer integrierten Verkehrsplanung gesehen, das dadurch verstärkt wird, dass Kompetenzen für Finanzierung und Maßnahmengestaltung (etwa beim Ausbau des S-Bahn-Systems) nicht in einer Hand liegen.

Ein wichtiges zukünftiges Handlungsfeld wird in der konzeptionellen Neuausrichtung der Regionalplanung gesehen. Die Aufgabe der Regionalplanung wird zukünftig mehr in der Transmission interkommunaler Kooperation gesehen als in der planungsmethodisch stringenten Aufstellung von Plänen ohne Handlungsfolgen. Zugleich ist aber auch die Bindungswirkung der Regionalplanung zu erhöhen. Es sollen Ausgleichsmechanismen geschaffen werden, z.B. auf dem Gebiet Gemeindegrenzen überschreitender ökologischer Ausgleichsflächen und durch die Schaffung eines Flächenausgleichsfonds. Unklar bleibt, wie dies zu organisieren ist und wie die damit verbundenen Konflikte gelöst werden können.

Wegen der veränderten demografischen Entwicklungen wird angesichts knapper werdender Mittel und lokal oftmals unzureichender Serviceangebote die interkommunale Kooperation auf dem Gebiet der Altenhilfe in der Region als immer dringlicher erachtet. Als ein Langfristrisiko wird auch die mangelnde klare Sicht auf zukünftige soziale Probleme gesehen.

Ferner wird in der Veränderung der Mittelzuweisung an die Kommunen ein weiteres wichtiges Handlungsfeld gesehen. Dies könnte so gestaltet werden, dass ein regionales Budget für regional bedeutsame Infrastrukturen und Leitprojekte geschaffen wird und dieses mit einer innerregional veränderten Aufgaben- und Schwerpunktbündelung verknüpft wird. Allerdings soll vermieden werden, dass damit zugleich neue Organisationseinheiten geschaffen werden.


Plenumsdiskussion

Die Diskussion im Plenum entzündete sich an der Frage, ob wir ein Bild (ein "Leitbild") von der Region haben, ob die Region ein solches Leitbild benötigt oder auf welche andere Weise sich die Region auf die Erkennung und Bewältigung der Zukunftsprobleme einstellen kann (z.B. Art und Menge der Arbeitsplätze in 20 Jahren, Bevölkerungsstagnation oder Rückgang, zunehmender Anteil alter Menschen).

Wollen wir also z.B. die starke wirtschaftliche Bedeutung erhalten und können wir dieses, ohne den sozialen Frieden zu gefährden und unser Naturkapital aufzuzehren? Im Kern bedarf es der Klärung - so ein Bürgermeister - , was für unsere Region unverzichtbar ist, an welchen Werten festgehalten werden soll, wie bei unterschiedlichen Belastungen ein Finanzausgleich hinzubringen ist und welche Prioritäten - bei zunehmend knapper werdenden Ressourcen - zu setzen sind. Dafür muss mehr miteinander geredet werden.

Angesichts der vielen offenen Fragen wird der Vorschlag gemacht, eine Arbeitsgruppe - bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Städte, Gemeinden und der Organisationen im Planungsbeirat des RPV - einzurichten und sie mit der Aufgabe zu betrauen, innerhalb des Jahres 2003 ein Positionspapier zu entwickeln und dies dem Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands zur weiteren Behandlung zuzuleiten. Dieser Vorschlag wird positiv aufgegriffen. Als Mitglieder der Arbeitsgruppe stellen sich zur Verfügung:
Herr Breu, Regionaler Planungsverband München/RPV München
Herr Droth, Bund der Selbständigen BDS
Herr Freitag, Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV)
Frau Lindner-Schädlich, Stadträtin LH München
Herr Nustede, Bürgermeister Gemeinde Karlsfeld
Herr Schneider, Bürgermeister Gemeinde Neufahrn
Frau Thalgott, Stadtbaurätin/ Herr Reiß-Schmidt, LH München
Herr Zeitler, Bürgermeister Stadt Unterschleißheim

Die Betreuung der Arbeitsgruppe erfolgt durch den RPV. Die Einladung zum ersten Treffen wird Herr Breu zu Anfang des Jahres 2003 verschicken.

Protokoll: Dr. D. Sträter, IMU Institut München

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