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Experten-Workshop
zur Zukunft kommunaler Sozialpolitik

KONZEPT des Workshops

Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt "Zukunft München 2030" beabsichtigt das Sozialreferat der Landeshauptstadt München, einen Experten-Workshop zur "Zukunft kommunaler Sozialpolitik" durchzuführen. ...

Die Region München steht zwar als "High-Tech-Standort" weltweit an vierter Stelle (nach Silicon-Valley, Boston und London Area), hat aber andererseits mit erheblichen gesellschaftlichen Widersprüchen zu kämpfen, die sich nicht zuletzt auch an den höchsten Bodenpreisen der Bundesrepublik festmachen lassen.

Der grundlegende gesellschaftliche Wandel hin zu einer Informations-, Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft mit der Tendenz hin zu sozialer Segregation und Schwächung traditioneller Solidarsysteme einerseits sowie die zunehmende Ökonomisierung des sozialen Lebens andererseits eröffnen neue gesellschaftliche Spannungsfelder im lebensweltlichen genauso wie im institutionellen Bereich.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die kommunale Sozialpolitik. Für das Sozialreferat der Landeshauptstadt München, das unter einem gemeinsamen Dach drei Ämter bzw. Steuerungsbereiche vereinigt (Sozialamt, Jugendamt, Wohnungs- und Flüchtlingsamt) stellt sich die Frage nach der Zukunft kommunaler Sozialpolitik - in Erfüllung des Sozialstaatsgebotes - ganz konkret: Welche Zukunft hat kommunale Sozialpolitik?

Welche Zukunft hat kommunale Sozialpolitik im Spannungsfeld von
Sozialstaatsgebot, Marktorientierung und bürgerschaftlicher Verantwortung?

Zur Beantwortung dieser Frage möchte das Sozialreferat der Stadt München einen Experten-Workshop veranstalten, der mit einem interdisziplinär zusammengestellten ExpertInnenfeld von "innen und außen" (stadtintern und stadtextern) den Einstieg in einen "Münchner Zukunftsdialog" über die Zukunft kommunaler Sozialpolitik in München eröffnet, mit der Absicht, diesen - in einem entsprechend reduzierten Rahmen - auch nach Abschluss des Projektes "Zukunft München 2030" weiterzuführen mit dem Ziel, das Leitbild einer "solidarischen Stadt" als integriertes Maßnahmen- und Handlungskonzept in die Fortschreibung des Stadtentwicklungsplanes zu verankern.

Die "solidarische Stadtgesellschaft" bzw. die "Stärkung der Integrationskräfte der urbanen Gesellschaft" als Leitvision bildet die Folie, auf der die Zukunft der kommunalen Sozialpolitik in München im Spannungsfeld von Sozialstaatsgebot, Marktorientierung und bürgerschaftlicher Verantwortung zu diskutieren ist. Dabei ist der unterschiedlichen Ressourcenausstattung und damit der eingeschränkten gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten bestimmter Zielgruppen ("Mittelschichts-Bias") in diesem Spannungsfeld - mit der Gefahr zunehmender sozialer Ausgrenzung - besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

1 Zum Inhalt des Workshops

  • Welche Zukunft hat kommunale Sozialpolitik im Spannungsfeld von Sozialstaatsgebot, Marktorientierung und bürgerschaftlicher Verantwortung?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich für Institutionen, Akteure und Betroffene der sozialen Arbeit aus der zunehmenden Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen einerseits und aufgrund des Paradigmenwechsels im gesellschaftlichen Bewußtsein hin zu einer Zivil- bzw. Bürgergesellschaft andererseits?
  • Welche Visionen lassen sich zu dieser Fragestellung für die kommunale Sozialpolitik in München entwickeln und über welche Strategien und Maßnahmen sind diese in politisches bzw. Verwaltungshandeln umzusetzen (Implementation)?

Im Rahmen des Workshops sollen diese Fragen in entsprechend themenorientierten Arbeitsgruppen erörtert werden ("Münchner Zukunftsdialog"). Diesen werden zwei Leitreferate vorgeschaltet, die sich aus dem Gesamtthema direkt ableiten lassen. Der jeweilige Focus soll auf die Konsequenzen der aufgezeigten gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen auf Institutionen (-Welten) und die soziale Ausgrenzung (Segregation) gelegt werden:

- ein Referat zu Ökonomie/Markt/Wettbewerb

- ein Referat zur Zivil- bzw. Bürgergesellschaft

Folgende und - bezogen auf den visionären Charakter des Workshops - selbstverständlich auch darüber hinaus gehende Fragestellungen könnten in diesem Zusammenhang von Bedeutung sein:

1.1. Allgemeine Fragestellungen

  • Welche Möglichkeiten und Grenzen ergeben sich für die kommunale Sozialpolitik aus der Entwicklung von der Versorgungs- zur Verantwortungsgesellschaft einerseits und aufgrund des zunehmenden Ökonomisierungsdrucks auf den Sozialbereich andererseits?
  • Welche Visionen, aber auch welche Strategien lassen sich - im Hinblick auf die Leitvision einer solidarischen Stadtgesellschaft bzw. einer Stärkung der Integrationkräfte der urbanen Gesellschaft - hierzu entwickeln?
  • Welche Rahmenbedingungen und welche Qualitätsstandards sind notwendig, um das "freie Spiel der Kräfte" zu bändigen und die Kultur der Anerkennung aller gesellschaftlichen Akteure voran zu treiben?
  • Wie sieht die zukünftige Rolle der Kommune - unter Berücksichtigung des Sozialstaatsgebotes - als Aktiviererin bzw. Gestalterin des sozialen Lebens zukünftig aus?
  • Was bedeutet Betroffenen-Beteiligung/ bürgerschaftliches Engagement einerseits bzw. Kunden-/ Konsumenten-Orientierung andererseits unter Berücksichtigung des "Mittelschichts-Bias" für das kommunale Handeln?

1.2 Fragestellungen bezogen auf die "Marktorientierung sozialer Dienstleistungen"

- auf der Ebene der Institutionen:

  • Wo liegen die Grenzen für die Übertragung von ökonomischen Marktgesetzen auf den Sozialsektor?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Anwendung des EU-Rechtes auf den sozialen Bereich, speziell auf die Rolle der Wohlfahrtsverbände im Hinblick auf Gemeinnützigkeit?
  • Wie verändert sich die Struktur der Organisationen, die soziale Dienstleistungen anbieten? Wie wird sich die Anbieter-Landschaft sozialer Dienstleistungen verändern? Welche Rolle werden die freien Träger der Wohlfahrtspflege zukünftig spielen?
  • Wird die Kommune den Wettbewerb zukünftig fördern oder die bisherige Angebotsstruktur so lange wie irgend möglich aufrecht erhalten?
  • Welchen Stellenwert nimmt zukünftig die Kommune als Anbieterin sozialer Dienste ein bzw. als diejenige Instanz, die "soziale Spielregeln" festlegt und kontrolliert?
  • Wie könnte ein "institutionelles Arrangement" in diesem Zusammenhang aussehen?
  • Welche Chancen ergeben sich für die Anbieter sozialer Dienstleistungen im Hinblick auf die Verpflichtung zu Kooperation und Zusammenarbeit?

- auf der Ebene der BürgerInnen:

  • Welche Chancen ergeben sich aus der Wettbewerbsorientierung für die Nachfrager sozialer Dienstleistungen? Ist für die Bürger eine Qualitätssteigerung oder eher das Gegenteil zu erwarten?
  • Der Nutzer sozialer Dienstleistungen als Konsument bzw. Kunde! Inwieweit ist der Konsument im sozialen Bereich tatsächlich souverän?
  • Bewirkt eine stärkere Marktorientierung sozialer Dienstleistungen Ausgrenzung oder ist sie ein Mittel, Ausgrenzung zu verhindern?
  • Welche Auswirkungen hat die Ökonomisierung auf die Zielgruppen sozialer Dienstleistungen?
  • Entstehen für diese Zielgruppen neue Ausgrenzungen oder bieten sich Chancen zur Eingliederung?


1.3 Fragestellungen bezogen auf "Zivil- bzw. Bürgergesellschaft"

Bei der Entwicklung von Strategien zur Erfüllung der Leitvision "Stärkung der Integrationskräfte der urbanen Gesellschaft" spielen die Institutionen eine zentrale Rolle:

  • Inwieweit passen die Lebenswelten der Menschen und die Institutionenwelten der Gesellschaft eigentlich noch zusammen?
  • Gewährleisten die kommunalen Institutionen in ihrer gegenwärtigen Form (hier speziell im Sozialbereich) noch Halt und Orientierung? Spiegeln sie die gesellschaftliche Realität wider?
  • Wie und wo ist der gegenwärtige Sozialstaat (hier speziell die Kommune als Sozialstaat vor Ort bzw. in Reserve) reformierbar bzw. zukunftsfähig?
  • Wird sich kommunales Handeln weiterhin auf den sozialen Ausgleich konzentrieren oder auf eine Regulierung sozialer Konflikte beschränken?
  • Welche Voraussetzungen sind für neue Wege in der kommunalen Sozialpolitik hin zu mehr Verantwortung der einzelnen BürgerInnen zu schaffen?
  • Welche Bedeutung wird bürgerschaftliches Engagement in Zukunft haben? Inwieweit muss Aktivierung der Bevölkerung mit Verpflichtung einhergehen? Ist der Katalog sozialer Grundpflichten zu erweitern?
  • Wie müssen soziale Einrichtungen und Angebote strukturiert sein, damit sie die kreativen und sozialen Potentiale der BürgerInnen erkennen und - wo nötig - fördern und fordern?
  • Wie könnte die neue Rolle der Kommune - aufgrund der veränderten Bedürfnisstruktur weiter Teile der Bevölkerung - aussehen? Welche institutionellen Organisationsstrukturen passen zur veränderten lebensweltlichen Orientierung?
  • Inwieweit ist Planung und Umsetzung sozialer Einrichtungen und Angebote "auszulagern"? Welche Spielregeln bzw. kommunale Kontrollmechanismen sind dabei - im Hinblick auf die "Stärkung der Integrationskräfte der urbanen Gesellschaft" - aufrecht zu erhalten?
  • Wo liegen die Grenzen für die Reduzierung des kommunalen Handelns auf Aktivierung und Mediation? Wie ist soziale Ausgrenzung derjenigen, die keine Ressourcen für Beteiligung und Wahrnehmung der bürgerschaftlichen Verantwortung haben, zu vermeiden (Mittelschichts-Bias)?

2 Zum Ablauf des Workshops

Der Workshop zur "Zukunft der kommunalen Sozialpolitik" ist als Experten-Workshop konzipiert. Gezielt werden dazu Experten aus dem Münchner Einzugsgebiet und von außerhalb eingeladen, um einen Tag lang Visionen, Maßnahmen und Strategien zum Thema zu entwickeln und damit den Einstieg in einen "Münchner Zukunftsdialog zur kommunalen Sozialpolitik" zu eröffnen.

Der Tätigkeit in den Arbeitsgruppen am Nachmittag werden am Vormittag zwei Leitreferate zu den beiden Leitthemen vorangestellt:

  • ein Referat zu Ökonomie/ Markt/ Wettbewerb ( Dr. Hartmann, Hamburg)
  • ein Referat zur Zivil-/ Bürgergesellschaft (Dr. Warnfried Dettling, Berlin).

Am Nachmittag sind - orientiert an den Leitreferaten - zunächst vier themenorientierte Arbeitsgruppen (evtl. eine zusätzlich offene AG) mit gezielt interdisziplinär zusammengesetzten Experten geplant, die ihre Visionen und Strategien zur Zukunft kommunaler Sozialpolitik in München aus den verschiedensten Blickwinkeln heraus entwickeln können. Dazu werden als Teilnehmer Akteure aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mit den vielfältigen Professionen und Qualifikationen eingeladen, orientiert an den im folgenden aufgeführten Zuordnungskriterien:

  • Gruppe 1 - Die Gruppe der öffentlichen Entscheidungsträger
    aus Politik (verschiedener "Couleur") und Verwaltung (referats- und ämterübergreifend);
  • Gruppe 2 - Die Gruppe der Wissenschaft
    aus dem rechts- und sozialwissenschaftlichen Bereich (zu Impulsreferaten und/ oder Expertisen);
  • Gruppe 3 - Die Gruppe der "Ortsansässigen" und "Engagierten"
    im Rahmen von Selbsthilfe, Bürgerschaftlichen Engagement..., sowie informierte und "qualifizier-te" Bürgern der Stadt;
  • Gruppe 4 - Die Gruppe der Träger der freien Wohlfahrtspflege
    sollte sowohl Vertretern der sechs großen als auch der kleineren Verbände umfassen;
  • Gruppe 5 - Die Gruppe der Privatwirtschaft
    umfasst Unternehmen, die sich als verantwortliche Akteure innerhalb einer solidarischen Stadtgesellschaft verstehen.


    Helga Summer-Juhnke, Dipl.-Soziologin
    Sozialreferat der LH München

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